Vereinsgeschichte

Die nachfolgende Zusammenfassung zur Geschichte unserer Ortsgruppe soll dem Leser einen Ein- und Überblick gewähren und erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Darstellung beruht auf Auszügen aus dem vom Verein zum 100-jährigen Jubiläum veröffentlichten Bildband „Schwarzwaldverein Ettenheim-Herbolzheim, Ein Verein im Wandel der Zeit“.

1884 – 1892
In der Gründungsversammlung am 20. Juli 1884 wurde von 37 Mitgliedern die „Section Ettenheim-Kippenheim“ ins Leben gerufen und Oberamtmann August Brecht zum ersten Vorsitzenden gewählt. Knapp sieben Jahre später, mit Schreiben vom 26. Mai 1891, bekundete Hugo Schindler aus Herbolzheim Interesse an einer gemeinsamen „Section Ettenheim-Herbolzheim“ und reichte die Anmeldung von 25 neuen Mitgliedern ein. In der Mitteilung vom 15. Juni 1892 an den Hauptvorstand in Freiburg heißt es: „Die Section zählt zur Zeit 125 Mitglieder und führt seit dem zahlreichen Beitritt von Mitgliedern von Herbolzheim seit etwa einem halben Jahr den Namen Ettenheim-Herbolzheim.“

1894
Unter dem in der Generalversammlung vom 15. April 1894 zum ersten Vorsitzenden gewählten Reallehrer Karl-Heinrich Lindenmann erlebte der Verein in den folgenden Jahren eine Blütezeit. Auf allen Gebieten wurde enorm viel geleistet, angefangen bei der Wegearbeit, der Errichtung eines Aussichtsturms (Einweihung 7. Oktober 1894) und einer Schutzhütte (Einweihung 1. August 1897) – der Lindenmannhütte -, beide auf dem Kahlenberg, über eine vorzügliche Öffentlichkeitsarbeit. Am 1. März 1899 war ein Stand von 172 Mitgliedern erreicht, der erst 60 Jahre später überboten werden sollte. Nach dem gesundheitlich bedingten Rücktritt des ersten Vorsitzenden Lindenmann am 2. September 1900
folgten ruhige Jahre mit wenigen Aktivitäten. Die Mitgliederzahl ging zurück auf 160 im Jahre 1924 und 95 im Jahre 1938.

1933 bis 1945
Ab der Machtergreifung durch Adolf Hitler am 30. Januar 1933 ging es im Verein ernster und strenger zu. Die Umorganisation im Sinne des Nationalsozialismus, der Folge geleistet werden musste, um den Bestand des Vereins nicht zu gefährden, reichte bis herab zu den Ortsgruppen. So musste der erste Vorsitzende Mitglied der NSDAP sein oder werden, und die Vorstandschaft musste sich zu den Grundsätzen der nationalen Regierung bekennen. In einem Rundschreiben vom 3. April 1939 teilt der Präsident des Schwarzwaldvereins mit: „Durch eine Verordnung steht der Name ‚Ortsgruppe’ nur der NSDAP zu. Unsere seitherigen Ortsgruppen heißen von nun an ‚Zweigvereine’.“ Unser Verein wurde dem entsprechend ab 1940 in „Schwarzwald-Verein Zweigverein ‚Kahlenberg’ “ umbenannt. In das Jahres-Programm mussten auch Veranstaltungen aufgenommen werden, die eigentlich gar nicht im Zusammenhang mit den Vereinszielen stehen (Propagandaumzug, Nachtwanderung, Lichtbildvortrag zu politischen Themen …).

1947
Nach Kriegsende war der gesamte Schwarzwaldverein von den Besatzungsmächten verboten, bis die Franzosen am 17.12.1947 den Schwarzwaldverein ermächtigten, seine Tätigkeit wieder auszuüben. Mit der Wiedereinführungsversammlung am 1. Februar 1948 setzten auch in unserer Ortsgruppe wieder Vereinsaktivitäten ein. Als im Jahre 1952 die Konzession für den Untertage- und Tageabbau am Kahlenberg auf die Barbara Erzberg AG übertragen wurde, war absehbar, dass der Hausberg des Vereins mit dem Aussichtsturm und die ganze Umgebung am Kahlenberg in absehbarer Zeit als Wanderziel und gemütlicher Aufenthaltsplatz nicht mehr in Frage kamen.

1950 bis 1960
Die Verhandlungen über den Verkauf der vereinseigenen Grundstücke führte für den Verein Landgerichtsdirektor J.-B. Ferdinand, da der erste Vorsitzende Eugen Rünzi (1952 -1963) gleichzeitig Bergwerksdirektor, und damit befangen war. Der Verkauf der Grundstücke wurde schließlich in der Generalversammlung vom 22. Februar 1959 beschlossen. Kurz darauf wurde der Kahlenberg eingeebnet. Heute befindet sich auf diesem Gelände die Mülldeponie Kahlenberg. Mit der in der Geschichte der Ortsgruppe bis dahin weitesten Reise am 11./12. Juli 1953 in die Schweiz zum Furka- und Grimselpass, der 1954 Fahrten in die Dolomiten und das Oberengadin folgten, begannen die jährlichen Alpen- und Ferienwanderungen, die heute noch Eingang in den Wanderplan finden. Im Jahr 1955 wurde eine Jugendgruppe gegründet, die enormen Zuspruch fand und in sieben Jahren auf 86 Mitglieder angewachsen ist. Nach sorgfältiger Planung und umfangreichen Arbeiten war die überlieferte Quelle am Streitberg, östlich von Ettenheimmünster, vom Verein gefasst und ein Brunnen errichtet worden. Die Einweihung des „Schön-Heiden-Brünnleins“ fand in einer schlichten Feierstunde am 1. Mai 1957 statt. Unter Berücksichtigung der Jugendgruppe wurde 1959 die Mitgliederzahl von 200 überschritten.

1960 bis 1970
Bereits im Verlauf der Verhandlungen mit dem Bergwerk und mit Blick auf die zu erwartenden Einnahmen aus dem Verkauf der Grundstücke war die Idee zum Bau eines  vereinseigenen Wanderheims im hinteren Tal von Ettenheimmünster aufgekommen. Den eingereichten Plänen wurde jedoch im Oktober 1963 die Baugenehmigung versagt. In der Generalversammlung vom 27. Januar 1963 wurde Architekt Erich Berblinger zum ersten Vorsitzenden gewählt. In den 33 Jahren seiner Amtszeit erlebte unsere Ortsgruppe einen einmaligen und unvergesslichen Aufschwung. Der fortschreitende Autoverkehr und die damit verbundene Mobilität in der Bevölkerung machte Anfang der 60-er Jahre die Schaffung von Wanderparkplätzen und Rundwanderungen notwendig, die in Zusammenarbeit mit den örtlichen Forstämtern bis 1965 eingerichtet und ausgeschildert wurden. Allein 1966 wurden 132 km Wald- und Wanderwege instandgesetzt und beschildert. In der Generalversammlung vom 6. März 1966 wurde ein Markstein in der Vereinsgeschichte gesetzt. Mit 35 von 38 gültigen Stimmen wurde die Errichtung eines vereinseigenen Wanderheims am Kandelhöhenweg in Freiamt endgültig beschlossen. Dank des großen Engagements vieler Mitglieder konnte bereits am 23. Oktober 1966 Richtfest gefeiert werden. Das Wanderheim am Kreuzmoos wurde feierlich mit über 2000 Gästen am 16. Juli 1967 eingeweiht.
Nach Demontage des Aussichtsturmes auf dem ehemaligen Vereinsgrundstück am Kahlenberg war eine Renovierung und ein Wiederaufbau des maroden Turms nicht mehr möglich. Fabrikant Greschbach aus Herbolzheim erstellte einen neuen Turm, den er unserer Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins 1967 schenkte. Zwischenzeitlich war auf dem Hausberg der  Stadt Ettenheim, dem Heuberg, 1968 auf der Grundlage eines Erbpachtvertrages mit der Stadt ein Kiosk errichtet worden, der für den neuen 6 Tonnen schweren Turm als  undament diente. Am 27. April 1969 wurde der neue „Aussichtsturm auf dem Heuberg“ festlich eingeweiht.

1970 bis 2000
Bei dem 10-jährigen Jubiläum des Wanderheimes am Kreuzmoos 1977 konnten nahezu 2000 Gäste gezählt werden. Das war Anlass genug, an Hauserweiterungsmaßnahmen zu denken. 1979 führte die Jubiläumsfeier zum 10-jährigen Bestehen der Verbindung zu den Vosges Trotters aus Selestat in deren Spitzenberghütte zur Vertiefung der Wanderfreundschaft. Nachdem Erich Berblinger aus gesundheitlichen Gründen nach 34-jährigem Wirken als erster Vorsitzender sein Amt zur Verfügung stellen musste, wurde in der Mitgliederversammlung am 1. März 1997 Rechtsanwalt Johannes-Georg Friedel zum ersten Vorsitzenden gewählt. Unter seinem Vorsitz wurden die bereits geplanten und eingeleiteten dringlichen Maßnahmen zur Hauserweiterung verwirklicht und fortgeführt. Am Heubergturm wurden die Renovierungsarbeiten durchgeführt, nachdem dieser durch Brandzerstörung der Aussichtsturmgaststätte 1993 Schaden genommen hatte.

2000 bis 2010
Durch den Tod von Erich Berblinger im Januar 2002 wurde den Vereinsmitgliedern nochmals bewusst, wie nachhaltig der Verstorbene die Ortsgruppe Ettenheim-Herbolzheim geprägt und die Wanderer für die Ziele des Schwarzwaldvereins begeistert hat. Neben der Gründung der Seniorenwandergruppe, Begründung der Wanderfreundschaft mit den Vosges-Trotters in Selestat, Aufnahme von Hochgebirgswanderungen ins Wanderangebot, Anlegung von Wanderparkplätzen und Rundwanderwegen, sind die Errichtung des Aussichtsturmes auf dem Heuberg und der Bau des Wanderheimes am Kreuzmoos Zeugnis seiner Schaffenskraft und Marksteine in der Vereinsgeschichte.
2009 kann unsere Ortsgruppe auf eine 125-jährige Vereinsgeschichte zurückblicken.
Gleichzeitig findet das 40-jährige Jubiläum der Wanderfreundschaft mit den Vosges-Trotters seine Würdigung im Wanderheim Kreuzmoos.